Die Verantwortung der Rolle einer Landwirtschaftlichen Fachschule als Lernumfeld in den Vordergrund stellen, sodass die komplexen Thematiken von Umgang mit Ressourcen direkt erfahrbar werden.
Offener Wettbewerb, 2024
Auftraggeber: Land Salzburg
Team transparadiso: Hannah Mucha, Lukas Anzeletti, Matthias Schatajew, Florencia Camara
Konsulentin Freiraum: Gabriele Sturm
Statik: Statik: Helt Ziviltechniker GmbH
Bauphysik: Bauphysik Team Zwittlinger & Staffl Engineering OG
Ziel des Wettbewerbs ist die Sanierung/Umplanung des Gutshofs der Landwirtschaftlichen Fachschule Klessheim, die ebenso die verschiedenen Funktionen des Landwirtschaftsbetriebs mit Schulmetzgerei, Milch-Käse-Verarbeitung, Obstverarbeitung, Hofladen nach außen sichtbar und erlebbar machen soll – auch für SpaziergängerInnen.
Das Projekt entwickelt den historischen Gutshof zu einem zeitgemäßen, hybrid organisierten Lern- und Produktionsort mit neuen Räumlichkeiten für die Berufsschule für Gartenbau und Dienstwohnungen weiter, sodass der Bestand und Neubau in einem klar lesbaren architektonischen Konzept miteinander verbunden werden.
Leitidee ist die behutsame Transformation des bestehenden Ensembles, sodass die äußere Struktur erhalten bleibt und durch eingeschobene, pavillonartige Holzbaukörper sowie gezielte Betonergänzungen funktional und räumlich neu interpretiert wird.
Raum für Visionen schaffen!
Städtebauliche Aspekte
Das Umfeld des alten Gutshofes ist im Wesentlichen von den umliegenden Schulgebäuden geprägt, wobei die nördlich des Wettbewerbsareals neu errichtete Tourismusfachschule den Ort architektonisch neu kontextualisiert. Das idyllisch wirkende Gutshofensemble wird wochentags von den Schülerinnen aus unterschiedlichen Richtungen frequentiert, während insbesondere am Wochenende Spaziergängerinnen entlang der Klessheimerstraße flanieren. Die unterschiedlichen Bewegungsströme der Fußgänger*innen sind ein wesentlicher Ausgangspunkt für diesen Entwurf.
Architektur
Der Entwurf entwickelt einen hybriden Ansatz zwischen Bestand und Neubau, bei dem die bestehende Gebäudehülle grundsätzlich erhalten bleibt und durch eingeschobene, pavillonartige Einbauten aus Holz sowie einen Zubau aus Beton funktional und räumlich transformiert wird. Die Nutzungen der LFS werden als eigenständige Baukörper in die bestehende Struktur integriert und über ein klares Wegesystem miteinander verbunden. Großzügige Öffnungen im Bestand ermöglichen dabei neue räumliche Bezüge und eine deutliche Lesbarkeit der Interventionen.
Die Erschließung wird konsequent als differenziertes Durchwegungssystem für Besucher*innen sowie Nutzergruppen organisiert. Ein innenliegender Gang entlang der Kleßheimerstraße verbindet die Bereiche, inszeniert die Nutzungen über Schaufenster und führt bis in den Freiraum. Ergänzend werden die funktionalen Bereiche der Schule – wie Produktion, Verarbeitung und Landwirtschaft – als eigenständige, kubische Einheiten auf zwei Ebenen organisiert und unter der Dachstruktur der alten Meierei zusammengeführt.
Konstruktiv basiert das Konzept auf einer klaren Trennung von Bestand und neuen Einbauten, wobei der Bestand primär die Dachstruktur trägt und die neuen Elemente eigenständig ausgeführt werden. Das abgetragene Holz der Zwischendecke wird für die neuen Einbauten wiederverwendet und stellt dadurch einen wichtigen Beitrag für kreislaufwirtschaftliches Bauen dar.
Freiraum
Das Freiraumkonzept setzt das interne Erschließungssystem des Gebäudes als durchgängige Bewegungsstruktur im Außenraum fort und entwickelt einen funktional differenzierten, landwirtschaftlich geprägten Landschaftsraum. Robuste Nutzbereiche wie Wagenhütte und Stall stehen dabei neben naturnah gestalteten Aufenthalts- und Produktionsflächen, die als vielfältige Begegnungszone zwischen Menschen, Tieren und landwirtschaftlicher Nutzung verstanden werden.
Die landschaftliche Gestaltung basiert auf einer reichhaltigen, standorttypischen und historisch referenzierten Pflanzenauswahl aus Obstbäumen, Wildgehölzen, Stauden und Gräsern, die über das gesamte Areal hinweg abwechslungsreiche, biodiversitätsfördernde Lebensräume schaffen. Ergänzt wird dies durch strukturierende Bauminseln, Blüh- und Wildpflanzenflächen sowie funktional eingesetzte Grünräume bis hin zu Wochenmarkt- und Eingangsbereichen.
Spezifische Elemente wie rankende Fassadenbegrünungen, Kräuter- und Obstbereiche, ein Birnbaum sowie ein gemeinschaftlich genutzter Glashausbereich erweitern das Nutzungs- und Erlebnisangebot. Regenwasser wird über Versickerungssysteme in die Vegetation eingebunden. Bestehende gestalterische Elemente, wie der Bereich mit Wasserskulptur, bleiben erhalten und werden in das Gesamtkonzept integriert.
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