Performing Public Art, Vienna Biennale, 2015 (kuratiert von Peter Weibel und Gerald Bast)
Art of Activism, GHMP/ Prague City Gallery (9.12.25 – 8.3.2026, kuratiert von Jitka Hlaváčková)
Performance von transparadiso
PerformerInnen:
Christiane Beinl, Xenia Gala, Akram al Halabi, Nancy Mensah-Offei, Johanna Orsini-Rosenberg und Hor 29 Novembar
Komposition, Elektronik, Grammophon:
Tamara Friebel
Das Lachen, das im Halse stecken bleibt ist eine Performance von transparadiso, die transparadiso für die Wien Biennale 2015 realisiert hat und sich mit der trostlosen Lage von Flüchtlingen in Österreich und Europa befasst.
Anhand eines Skripts, das auf Texten von Herbert Marcuse, Joseph Beuys, Henri Bergson und anderen basiert, wurde diese „Lachperformance“ von Christiane Beinl, Xenia Gala, Akram al Halabi, Nancy Mensah-Offei und Johanna Orsini-Rosenberg vor dem Publikum aufgeführt, das sich am Weg im Sigmund-Freud-Park neben der Votivkirche in Wien versammelt hatte. Unter den Zuschauern waren Mitglieder des Flüchtlingschors Hor 29.Novembar, die auf ein bestimmtes Signal (Vogelgeräusche) hin sarkastisch lachten.
Unter der Choreografie der Komponistin Tamara Friebel bewegten sich die Darsteller in einer Prozession auf und ab und interagierten mit zwei Metallbettgestellen, die als bewegliche Requisiten dienten und vor die Votivkirche gerollt wurden, wo 2012 siebzig Asylsuchende aus Protest gegen die Bedingungen in ihrem Flüchtlingslager in Traiskirchen Zuflucht gesucht hatten.
Das Lachen, das einem im Halse stecken bleibt ließ diesen Moment des Protests wieder aufleben und erinnert uns an die drakonische Politik der österreichischen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, die viele Asylsuchende in ihre Heimatländer zurückschickte, darunter auch Syrer, die durch den Krieg vertrieben worden waren.
Politische Demonstrationen finden in der Regel als Reaktion auf ein aktuelles Thema statt. Dieses Thema wird jedoch oft von anderen Ereignissen überschattet, die gemeinsam um die Berichterstattung in den Medien konkurrieren. TDas Lachen, das einem im Halse stecken bleibt erinnert uns daran, dass die Folgen aktueller Themen auch nach dem Ende der Medienberichterstattung weiterwirken. Als eine Art „gedenkender” Protest erneuert diese Intervention die politischen Narrative, die das Ereignis geprägt haben, und haucht ihm neues Leben ein, indem sie etwas inszeniert, das sich ontologisch frisch anfühlt und die Grenzen zwischen Kunst und Leben, Darsteller und Publikum sowie Publikum und vorbeikommenden Passanten, die sich nicht sicher sind, was sie da gerade erleben, aber trotzdem mit dem „lachenden Chor” mitlachen, verschwimmen lässt. Lachen kann echt sein, und Lachen kann freudlos sein, eine nervöse Reaktion auf Dinge, die wir nicht verstehen. (Sean Ashton)
"Die Wirklichkeit ist anders. Die geheimen Codes der Heimaten sind nicht aus bewussten Regeln, sondern größtenteils aus unbewussten Gewohnheiten gesponnen. Um in eine Heimat einwandern zu können, muss der Heimatlose zuerst die Geheimcodes bewusst erlernen und dann wieder vergessen. Bei der Einwanderung entsteht zwischen den schönen Beheimateten und den hässlichen Heimatlosen ein polemischer Dialog." (Vilém Flusser, Von der Freiheit des Migranten, 1994).
Das Skript von Barbara Holub enthält Zitate aus folgenden Texten: Vilém Flusser, Über die Freiheit der Migranten, 1994; Interview mit Johanna Mikl-Leitner, ZIB 2 (Nachrichten im österreichischen Fernsehen/ORF), 20. April 2015; Herbert Marcuse, Repressive Toleranz, 1966. Das Lachen und das Komische, Zeitschrift für Literatur- und Theatersoziologie, März 2012; Henri Bergson, Das Lachen, 1900; Joseph Beuys, Aufruf zur Alternative, 1978.
Aktuell ist das Video zu sehen in der Ausstellung "Art of Activism", GHMP/ Prague City Gallery (bis 08.03.2026).
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