2017, Trieste

Harbour for Cultures

Trieste (I), 2017-2020
ongoing > H/C center

Direkter Urbanismus
Wunsch- Produktion
Kultur- Räume
Partizipation
Grenzen überwinden

Ein Projekt von Giuliana Carbi / trieste contemporanea, transparadiso und
Elisabetta Porro

Harbour for Cultures (H/C) entwickelt ein Modell einer "Society of Care" zur Etablierung kultureller Werte für die Gemeinschaft, exemplarisch im Porto Vecchio (Alter Hafen) in Triest, der sich nun nach vielen Jahrzehnten des Niedergangs in einem Transformationsprozess befindet und damit wachsende Interessen von internationalen Investoren erfährt. H/C betrachtet die Funktionen eines Hafens (ankommen, vorübergehend dazugehören und dann wieder weggehen), die üblicherweise auf wirtschaftlichen Interessen beruhen, neu: Damit stellt H/C humanistische Werte und die Förderung des Austausches von Kulturen, die Grenzen überschreiten, als gemeinsames Gut für eine sozial engagierte Stadtentwicklung in den Vordergrund.

H/C möchte das Harbour for Cultures-Center als internationales Kulturzentrum im Porto Vecchio realisieren, das den Austausch von Kulturen basierend auf der kollektiven "Wunschproduktion " fördert - für eine Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen der Gesellschaft als kollektives Engagement.

H/C ist ein längerfristiges Projekt, das die sozialen und kulturellen Dimensionen eines "neuen Hafens" thematisiert, in dem die Menschen ihre eigenen Kulturen und Werte frei austauschen können, so dass eine neue Form von nicht kommerziell orientierten „Gewinnen“ (d.h. Nutzen für Kunst und Kultur) von den Vielen erwirtschaftet werden kann. H/C schafft ein Netzwerk von Kunstkuratoren, Künstlern und Freidenkern aus anderen Disziplinen, von "Experten" und "Nicht-Experten".

H/C interpretiert die üblichen Funktionen eines Hafens, die auf ökonomischen Interessen (Warenaustausch, kommerziellem Gewinn, Versicherungsfragen) beruhen, und seinen Zwischenzustand zwischen Ankommen, temporärer Zugehörigkeit und Verlassen neu. H/C transformiert diese Funktionen, um eine Makro-Utopie anzuregen - eine Vision zur Schaffung einer (nahen) zukünftigen Gesellschaft jenseits geographischer und mentaler Grenzen, eine Heterotopie, wie Foucault in "Andere Räume" (1967) feststellte und dabei die Rolle des Schiffes hervorhob: "Das Schiff ist die Heterotopie par excellence. In Zivilisationen ohne Schiffe vertrocknen die Träume, die Spionage tritt an die Stelle des Abenteuers und die Polizei an die Stelle der Piraten".
"Hafen" ist ein Synonym für "ankommen", für ein endgültiges Ziel, für "zu Hause sein" - als Verheißung oder Hoffnung, auch wenn dies zugleich ein Provisorium ist: Wir sind Zeugen der nicht enden wollenden Flüchtlingstragödien der letzten Jahre - viele von ihnen kommen nie an, nicht an Land, aber selbst wenn sie es tun, kommen sie selten in unseren Gesellschaften an.

Auch wenn der Ausgangspunkt für H/C die ungelöste Situation des Porto Vecchio in Triest ist, der seit Jahrzehnten ungenutzt und in einem Zustand des Verfalls ist, überschreitet dieses Projekt einen realen physischen Ort.

Seit 2017 sammelte H/C in vielfältigen transdisziplinären Veranstaltungen (kuratorische Workshops, "Carte Blanche"-Treffen, Studien, Ausstellungen und Symposien) Beiträge für eine Wunschproduktion für den Porto Vecchio, um in diesem großen und zentralen Quartier in Triest kulturelle und soziale Programme für sozial engagierte Stadtentwicklung im Sinne von direktem Urbanismus zu verankern, basierend auf folgenden Fragen:

_Wie können Kunst und Kultur, künstlerische und kuratorische Strategien zu unserer Gesellschaft beitragen, um dem gegenwärtigen desolaten Zustand der Demokratie (in Europa) und einer vorwiegend auf Profit ausgerichteten Kunst- und Kulturproduktion im Kunstmarkt entgegenwirken?
_Wie kann H/C einen „Hafen“ im Sinne von "Ankommen" und "Zugehörigkeit" schaffen, indem es sich mit den brennenden Fragen und den sich verändernden Bedingungen auseinandersetzt, mit denen wir im Mittelmeerraum und in Europa als Folge zunehmender sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und Kriege konfrontiert sind?
_Wie kann H/C die Kraft des kollektiven Handelns wieder stärken und Wünsche und Visionen jenseits des zunehmenden Gefühls der Hilflosigkeit, das große Teile der Gesellschaft erfahren, hervorbringen?
_Wie kann H/C der Angst vor ungewisser Zukunft, der Sehnsucht nach Gewissheit und Versicherung, über künstlerische Strategien begegnet werden, und dadurch das persönliche/ aktive Engagement gefördert werden?

8th CEI Venice Forum for Contemporary Art Curators from Central Eastern Europe.
Conference, UNESCO Regional Bureau for Science and Culture in Europe (Palazzo Zorzi, Castello 4930), Venice May 12, 2017 (parallel event to Venice Biennale)

HARBOUR FOR CULTURES. Continental Breakfast 2017.
8th CEI Venice Forum for Contemporary Art Curators from Central Eastern Europe/ Trieste session
Workshop by transparadiso at Porto Vecchio
Conference, Magazzino delle Idee, Trieste
Oct.28, 2017

Carte Blanches
Many events, curated by Elisabetta Porro
2017-2019
Trieste, trieste contemporanea

HARBOUR FOR CULTURES
Exhibition: Oct.29–Dec.13, 2017
Trieste, trieste contemporanea

Shared Values, Ambulant Gardens, and Other Spaces
transparadiso
Exhibition: Nov.28 - Dec.29, 2017
Trieste, trieste contemporanea

TRI/E/S/T/E
Exhibition, HdA/ House of Architecture, Graz
curated by Michael Petrowitsch
July 25-Aug.5, 2018

Die Wunschproduktion bildet die Grundlage für die Programme des Harbour for Cultures Center, das als Ort für Kunst, urbanistischen Diskurs, Gesellschaft und Ökologie im Porto Vecchio, als Nucleus, installiert werden soll.


Vorheriges Projekt:
Times of Dilemma

Nächstes Projekt:
Platzgestaltung Pottenhofen